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Opa

Opa war dreiundzwanzig, als der erste Weltkrieg kam

Steuermann  aufm Schnellboot. Einmal abgesoffen mit dem Kahn

Und dann der Matrosenaufstand. Das rote Band

Stolz trug er’s nach Haus. Es liegt jetzt hier im Stubenschrank.

 

Nicht mal zwanzig Jahre später, Papa war grad sechs.

Kamen Nazischergen mit aufgepflanztem Bajonett

Die Geschwister standen auf der Treppe, Gesicht zur Wand.

Was der kleine Junge damals wohl empfand?

 

Wenige Jahre später in Russland und Frankreich

fielen zwei Brüder meiner Mutter Jacob und Heinrich

Aus den Briefen schreit zwischen den Zeilen ihre Not

Was hat Mama nur gefühlt, als man sprach vom Heldentod.

 

Das prägte meine Eltern und das prägte auch mich.

Man sagt, es ist in den Genen, ich weiß es nicht.

Ich weiß nur dies, ich hätte nie geglaubt

Dass es nochmal soweit kommt und mir den Schlaf raubt.

 

Ich denk an mein Land und seh, wie Braun Blau gebiert

Lese Sätze voller Frust und Hass, geschichtsverwirrt.

Vor den Mikrofonen sprechen sie von Remigration.

Und in ihren Köpfen, da rollen die Züge schon.

 

Das kann doch nicht wahr sein, ist das die Zukunft?

Wo bleiben Anstand und Moral, wo bleibt die Vernunft.

Und neben mir steht Opa. Du bist nicht allein!

Ich bin an deiner Seite! Steh auf und sage: Nein!

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